ES WAR ALLES NOCH VIEL SCHLIMMER! - relocated

27. September 2006 bis 02. Oktober 2006

Die Ausstellung ES WAR ALLES NOCH VIEL SCHLIMMER! – relocated vereint Installationen, Maschinen, Skulpturen und Raummodelle der fünf Künstler: Benjamin Bergmann, Andreas Fischer, Kristen, Dejan Saric und Christian Schönwälder.

Die Maschinen, Installationen und Skulpturen erzeugen Neugier, sind verspielt oder abweisend. An den Geräten werden unterschiedliche Aktionen durch den Besucher ausgelöst und so verschiedene Stimmungen und Gefühle vermittelt. Die Funktionen dieser Arbeiten haben nie etwas Ausuferndes, sie sind auf einzelne Geräusche und Aktionen beschränkt, die sich permanent wiederholen und darin ihr Eigenleben entfalten. Ziel der Ausstellung ist nicht eine komfortable Situation zu gestalten und Ruhe auszubreiten, sondern durch absurde Gegebenheiten Ausgrenzung und Spannung zu vermitteln. Der Tatendrang wird auf verschiedene Weise gefordert, die Neugier unterschiedlich befriedigt. Der Besucher ist verblüfft, ratlos oder amüsiert.

Der Ausstellungstitel ES WAR ALLES NOCH VIEL SCHLIMMER! verweist humorvoll auf die politische, gesellschaftliche und individuelle Gegenwart und Vergangenheit. Nicht nur ökonomisch und politisch, sondern auch mental sind Menschen gegenwärtig auf der Suche nach ihrer Identität in einer sich grundlegend verändernden Welt. Alles laufe schlecht, alles sei schlimm, Selbstmitleid pur, kollektives Jammern auf höchstem Niveau. Die Ausstellung ES WAR ALLES NOCH VIEL SCHLIMMER! war zuvor im Neuen Kunstverein Aschaffenbug zu sehen. In einem direkteren Dialog zueinander sind die Arbeiten der fünf Künstler nun in Berlin, in den Räumen der Bötzow-Brauerei ausgestellt, daher der Untertitel ‚relocated’.

Die Faszination an der technischen Bastelei und am Experimentieren bestimmen die künstlerische Produktion von Andreas Fischer. Mechanische Manipulationen und technische Versuchsanordnungen dienen Fischer dazu, Dinge zum Vibrieren, Rotieren, Schwingen, Wackeln oder zum Verschwinden zu bringen. Der Betrachter wird von den optischen, akustischen und taktilen Reizen gefangen genommen, selbst das Unperfekte, bewusst Dilettantische irritiert und fasziniert zugleich.

Benjamin Bergmann vereint plastische und theatralische Elemente. Die Arbeit Stallung vermittelt auf den ersten Blick einen gewissen Bühnencharakter, der durch seine nüchterne äußere Erscheinung ohne Dramatik ist. Kaum hat der Besucher den Raum betreten geht er im nächsten Augenblick deutlich auf Distanz, ein Rasenmäher in Kopfhöhe des Betrachtes beginnt laut zu rotieren. Die Arbeit ist geprägt von Gefahr, befreiender Aggressivität, spielerischer Ironie und intuitiver Zurückhaltung. Das eigene, an gesellschaftlichen Normen und Regeln geschulte Verhalten wird erforscht.

Die Installationen von Dejan Saric, so poetisch und spielerisch sie scheinen, sind dazu gedacht, dem Betrachter die unberechenbaren physischen Kräfte und das Gefühl des Ausgeliefertseins spürbar zu machen. Die Arbeit BOX suggeriert einen beklemmenden Moment und macht die prekäre Situation im Inneren erfahrbar. Sarics Werke lassen trotz Ausgeschlossenheit des Geschehens eine reale physische Bedrohung unvermittelt spürbar werden.

Das gewaltige Raummodel von Christian Schönwälder ist aus zerschnitten Resopalplatten alter Möbel konstruiert. Der Raum lässt keine Annäherung zu und macht auf eine geheimnisvolle Art neugierig. Sinn und Zweck dieser seltsamen, unbegehbaren Behausung sind rätselhaft. Auch Schönwälders Schrank erscheint nur bedingt alltagstauglich und wirkt bedrohlich und perfide.

Kristen beschäftigt sich in seinen skulpturalen Installationen mit wahrnehmungspsychologischen Implikationen. Die Arbeiten sind eher unauffällig und leise. Das minimalistische Formenvokabular findet seine Entsprechung in der reduzierten elektronischen Musik, die der Künstler komponiert.

Die Arbeiten erzeugen Neugier und sensibilisieren den Betrachter in der Wahrnehmung für seine Umwelt.